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Was ist eine richtige Entscheidung?

Thomas Wuttke in Entscheidungen
25. Februar 2016

Am Rosenmontag wurde der Karnevalsumzug in Düsseldorf abgesagt – aus Sicherheitsgründen wegen eines herannahenden Sturmtiefs. Dumm nur, dass tagsüber zeitweise die Sonne schien – eine scheinbar klassische Fehlentscheidung also?

Wirklich? Was ist eigentlich eine richtige Entscheidung? Nur die, die sich am Ende als richtig herausstellt?

Das ist „Wunsch“-denken. Bei allem Vertrauen in Wettermodelle, Geheimdienstinformationen, Business Pläne oder Versprechen der Reiseveranstalter traue ich mich an dieser Stelle, einen geradezu sensationellen Gedanken zu formulieren: Wir können die Zukunft nur sehr bedingt vorhersagen!

Sorry.

Wir stecken aber sehr viel Energie (und Geld) in den Wunsch, dieses Axiom zu umgehen. Und wenn wir es nicht selber umgehen können, suchen wir uns Leute (Politik, Versicherungsmakler, Berater, Börsengurus…), die uns in Sicherheit wiegen.

Lagen wir aber einmal zufällig richtig, sind wir selbstverständlich davon überzeugt, dass es ausschließlich an unserem Können lag. Wer die Zielscheibe nach den Schüssen aufmalt, wird immer recht haben, dem fällt es leicht, die Absage von Länderspielen oder Karnevalsumzügen zu beurteilen. Im Nachhinein ist man immer schlauer.

Eine richtige Entscheidung ist eine Entscheidung, die ich zum Zeitpunkt des Treffens als die bestmögliche erachte. Die hat dann aber auch eine Unsicherheit, eben nicht in die gewünschte Richtung zu laufen. Oder statistisch betrachtet: Es wird einen Prozentsatz von Entscheidungen geben müssen (müssen!), die sich im Nachhinein als ungünstig erweisen. Dann ist der Griff daneben aber keine Unfähigkeit, sondern gehört zum mathematischen Modell.

Kein Grund sich zu kasteien. Es gibt nur ein „richtig“ zum Zeitpunkt des Fällens der Entscheidung. Ich bin überzeugt, dass die Verantwortlichen die Absagen von Länderspielen und Umzügen nicht leichtfertig getroffen haben. Zum Zeitpunkt der Entscheidung waren es die richtigen. Es braucht aber Mut, diesen Standpunkt zu vertreten.

Der Umkehrschluss ist interessant: Werden „richtige“ Entscheidungen ausschließlich vom Ergebnis bewertet, traut sich bald niemand mehr, welche zu treffen.

Am Ende gibt es dann gar keine Entscheidung. Das ist noch viel schlimmer als hin und wieder einmal daneben zu liegen.


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